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"Attrappe: Reality and cheat in photography." 2011-12.This series is a work about dummies and veneers.
I made these photos in different spaces, the spaces are furniture shops, stages, museums and show rooms in buildings of a cityscape. My first intention was to find and create pictures which look like artificial veneers.
I found a lot of objects and rooms which looked like Potemkin villages. I tried to find these Potemkin villages and I wanted to transfer this idea into other objects. With the help of photography I wanted to make a review about the reality of the objects and the photography by itself. It is on the view of the beholder to decide what is reality and what is delusion referring to the photography.

Vom Bleiben.“ in collaboration with Daniel Schulz (2009-2013), documents the moment in which the night at the techno club is over and the visitors have left the location. It is the moment in which the traces of the event become visible. The cleaning-lights illuminating the room evoke a sense of awakening in the visitors. When the clubs close at daytime, we enter their rooms and the battlefield that has been left behind. As soon as the last visitors have left and the cleaning-light has been turned on, we start to photographically record the present scene and atmosphere. The moment before everything is put back in order exists only for a short time. Due to the long exposure time technically required, we artificially extend this moment, the time of exposure matching real time (4x5 inch large format camera). We have set ourselves the task to document the often only temporary existence of techno clubs over a longer period of time.

"Dark Chamber", year 2008 is considered a photographical approach to backrooms (german: dark rooms). The anonymous room has not been examined in regards to its function but instead presented independently. By use of illumination and a certain point of view as well as the absence of its users the backroom loses its function and meaning.

The work "PROPS"- video, Full-HD, 8:00 min. 2012-15 (with Glenn Geffken) is a series of 50 photographs taken in commercial props camps in Berlin and Hamburg.
The pictures are mounted as a slideshow to a loop and are underlaid with a sample. The English "props" means prop, equipment. Long familiar as an independent term, it is actually the short form of "property". "Props" refers to all moving things on stage or on a film set; "taken possession of" by the actor, they define first and foremost his character and the spaces through which he moves. This is how "props" lend identity. In the camp, however, things merely refer to possible spaces, possible characters, possible identities - and the images, which quickly follow one another, evoke a certain unease, an impression of absence. The camp becomes an intermediate realm, a non-place - reality does not take place here. Accordingly, the pictures do not distinguish between concrete places, we do not know and it is irrelevant whether we are in Berlin or Hamburg, in this or that fund. A concrete reference context in which Giesemann and Geffken consciously place their work: "Props" is also a reference to the American artist Seth Price. His video work "Feeling in the Eyes" shows a quick succession of catalogue illustrations, interiors, completely furnished rooms, various styles and epochs, occasionally a "inhabitant", plus electronic music. Seth Price's work also causes discomfort. For example, you don't want to settle down somehow, not in an apartment, but also not in reality. The reality that is absent in "PROPS" anyway. So, as is often the case in art when things go well, we are thrown back on ourselves - whatever that means.


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Die Arbeit "PROPS"- video, Full-HD, 8:00 min. 2012-15
(Glenn Geffken) ist eine Serie von 50 Fotografien, die in kommerziellen Requisitenlagern in Berlin und Hamburg aufgenommen wurden. Die Bilder sind als Slideshow zu einem Loop montiert und mit einem Sample unterlegt. Das englische "props" bedeutet Requisite, Ausstattung. Längst als eigenständiger Begriff geläufig, ist es eigentlich die Kurzform von "property", also: Besitz. "Props" bezeichnet alle beweglichen Dinge auf der Bühne oder am Filmset; vom Darsteller "in Besitz genommen", definieren sie allererst seine Figur und die Räume, durch sie sich bewegt. So verleihen "props" Identität. Im Lager bereitgehalten, unbewegt, verweisen die Dinge jedoch lediglich auf mögliche Räume, mögliche Charaktere, mögliche Identitäten - und die schnell aufeinander folgenden Bilder evozieren ein gewisses Unbehagen, einen Eindruck von Abwesenheit. Das Lager wird zum Zwischenreich, ein Unort - Realität findet hier nicht statt. Entsprechend unterscheiden die Bilder nicht konkrete Orte, wir wissen nicht und es ist unerheblich, ob wir uns in Berlin oder Hamburg, in diesem oder jenem Fundus befinden. So nüchtern die Bilder zu dokumentieren vorgeben, sie sind keine Dokumente.Ein konkreter Verweisungszusammenhang, in den Giesemann und Geffken ihre Arbeit bewusst stellen: "Props" ist auch eine Referenz an den US-amerikanischen Künstler Seth Price. Dessen Videoarbeit "Feeling in the Eyes" zeigt eine schnelle Abfolge von Katalogabbildungen, Interieurs, komplett eigerichtete Räume, verschiedenste Stile und Epochen, gelegentlich ein "Bewohner", dazu elektronische Musik. Auch Seth Price' Arbeit erzeugt ein Unwohlsein. Man möchte sich nach dem Betrachten z.B. auf keinen Fall irgendwie einrichten, nicht in einer Wohnung, aber auch nicht in der Realität. Jener Realität, die in "PROPS" ohnehin abwesend ist. Wir werden also, wie oftmals in der Kunst, wenn es gut läuft, auf uns selbst zurückgeworfen - was auch immer das bedeutet.
(Text: Jost Schocke)


"Attrappe-Wirklichkeit und Täuschung" 2011-12. Es ist ein Ort der Präsentation und die Bestimmung liegt eindeutig in der Funktion des Verweilens, Wartens und Innehaltens - der Übergangsraum zwischen Kunst und Alltagswirklichkeit. Neben dieser Funktion besitzt dieser Ort durch die Wahl der Möbel und deren Positionierung im Raum einen beinahe sakralen Charakter. Das Interieur erscheint schon durch die gestalterische Reduktion und der Wahl der Materialien als mehrdeutig und entzieht sich einer eindeutigen Zuschreibung. Das fotografieren dieser Orte ist ein Versuch die verschiedenen Wirklichkeitsebenen, welche sich hier öffneten, zu untersuchen. Das wären zunächst einmal die Wirklichkeitsebenen des Möbelgeschäftes, (die der Betreiber, Angestellten sowie die der Kunden), und die Wirklichkeit des Fotografen. Mithilfe der Fotografie bzw. der Bildausschnittes und dem weglassen von u?berflu?ssiger Bildinformation konnte eine weitere Ebene erzeugt werden um eine bestimmte Wirklichkeit fu?r den Betrachter zu generieren.   

Die Wirklichkeitsebene des Kunden wird in der Regel frei von Irritation sein, wenn er zur Zielgruppe des Geschäftes gehört. Ebenso ist für die Angestellten das Geschäft ein alltägliches Umfeld, das in seiner Ausgestaltung nicht hinterfragt wird. Eine Aufgabe bestand darin, durch die Fotografie eine Irritation beim Betrachter hervorzurufen. Durch die Wahl des Bildausschnittes wird die Wirklichkeit des Möbelgeschäftes zugespitzt dargestellt und es dadurch dem Betrachter ermöglicht, den Inszenierungscharakter des Ortes wahrzunehmen. Hierdurch wird versucht dem Betrachter eine neue, mehrdeutige Wirklichkeit zu zeigen und mithilfe dieser Bilder, Orte und ihre Wirklichkeit im allgemeinen zu hinterfragen.

Die Arbeit "Vom Bleiben." zusammen mit Daniel Schulz (2009-13) dokumentiert den Moment, in welchem die Nacht im Techno Club zu Ende gegangen ist und die Besucher diesen Ort verlassen haben. Es ist der Moment an dem die Spuren dieses Ereignisses sichtbar werden. Der Augenblick an welchem das Licht den Raum erleuchtet, stellt für den Besucher ein Gefühl des Erwachens dar. Während am Tage die Clubs schliessen, betreten wir diese Räume sowie das hinterlassene Schlachtfeld. Sobald die letzten Besucher gegangen sind und bevor die Reinigungskräfte die Spuren beseitigen, beginnen wir im Putzlicht die vorhandene Situation und Atmosphäre fotografisch festzuhalten. Durch die technische Vorgabe einer langen Belichtungszeit, verlängern wir diesen Moment ku?nstlich. Dieser Zeitpunkt, bevor alles wieder in seinen Ursprungszustand gebracht wird, existiert nur fu?r eine sehr kurze Zeit. Die Belichtungszeit des entstandenen Fotos entspricht der Echt-Zeit des Momentes.
Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die oft temporäre Existenz von Techno Clubs über einen längeren Zeitraum zu archivieren.

Die „Dunkelkammer“, 2008, ist eine fotografische Annäherung an den Darkroom (engl. Backroom). Hier wird der anonyme Raum nicht auf seine Funktion hin untersucht, sondern wird unabhängig von dieser abgebildet. Der Darkroom verliert durch Ausleuchtung, Betrachtungsweise sowie die Abwesenheit seiner Klientel die eindeutige Zuschreibung von Funktion und Bedeutung.

 

 

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